Adelheid Christ
Heilpraktikerin für Psychotherapie
Zweibrücker Str. 34
76829 Landau/Pfalz
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Wie viel Medienzeiten sind gut für mein Kind?

Zu unseren Erziehungsaufgaben zählt für uns Eltern auch, mit den Kindern den Umgang mit Medien zu lernen. Die digitalen Medien sind ja nicht grundsätzlich schlecht. Aber es gibt Gefahren. Zuerst einmal müssen wir uns selbst im Netz kundig machen. Das dürfte für die meisten von uns inzwischen kein Problem mehr sein. Das Schwierige kommt aber jetzt: Wie erkenne ich, wann eine Medienpause angesagt ist? Und woran erkenne ich, dass eine zu lange Mediennutzung schädlich sein kann? Und wenn ich erkannt habe, dass ich dies als Elternteil steuern muss, wie setze ich das bei meinem Nachwuchs durch?

Die digitalen Medien fessseln. Das Chatten, Surfen und Spielen lässt die Zeit vergessen. Dies können Kinder nicht alleine vernünftig regeln. Das Smartphone ist ja ständiger Begleiter. Dass die Nutzung überhand nimmt und schadet, können wir daran erkennen, wenn Schulpflichten vernachlässigt, Freundschaften und Hobbies nicht mehr gepflegt werden, wenn das Kind nicht mehr genug schläft. Auffallend kann vor allem sein, dass es launenhaft, gereizt oder aggressiv wird, wenn das Handy mal nicht zur Verfügung steht.

Diese Erziehungsaufgabe ist eine Herausforderung. In vielen Familien ist die Mediennutzung fast täglich Anlass für Auseinandersetzungen und Streit. Viele Eltern sind sich ihrer Verantwortung bewusst, doch mit Verboten allein erreicht man keinen Frieden. Und immer Dauerkampf mag auch niemand leben. Viele resignieren dann und lassen ihre Kinder ohne Kontrolle gewähren. Beides kann jedoch nicht der richtige Weg sein.

Wie gehe ich diese Aufgabe sinnvoll an?

  1. Am wichtigsten in der Medienerziehung ist das eigene Vorbild. Schaue ich selbst auch ständig aufs Smartphone? Liegt es sogar auf dem Esstisch? Wenn ich Medienkompetenz vermitteln möchte, muss ich es vorleben, mich selbst reflektieren, auch mir selbst Regeln verordnen.
  2. Und es gibt noch einen anderen, sehr wichtigen Gesichtspunkt: Wenn ich im Beisein meines Kindes ständig das Smartphone bediene, wächst das Kind mit dem Gefühl auf: Meine Mama, mein Papa mag das Handy mehr als mich. Haben Sie sich dies schon einmal überlegt? Möchten Sie das?
  3. Dann ist wichtig, dass ich mich für das interessiere, was mein Kind im Netz macht, welche Spiele es spielt, mit wem es Kontakte hat und dass man nicht zu viel von sich preisgeben darf. Immer darüber im Gespräch bleiben!
  4. Kinder wachsen mit Medien auf. Diese sollen aber nicht die ganze Freizeit ausfüllen. Gestalten Sie mit Ihrem Kind die Freizeit. Es soll unterschiedliche Möglichkeiten kennen lernen: Sport, Ausflüge, lesen, Spiele machen, Freunde treffen … Nur im realen Leben entwickelt ein Mensch ein gesundes Selbstwertgefühl, bewältigt Schwierigkeiten, probiert sich aus, wird kreativ. Auch Langeweile und Frustrationen auszuhalten ist wichtig. Hier werden eigene Ideen geboren! Sich sofort mit dem Handy abzulenken, verhindert das.
  5. Vereinbaren Sie feste Medienzeiten! Nicht verordnen, sondern mit dem Kind zusammen Vereinbarungen finden. Experten empfehlen: für Kinder bis 5 Jahre höchstens eine halbe Stunde am Stück, für Kinder von 6-9 Jahre bis zu einer Stunde am Stück. Bei Kindern ab 10 Jahren wird ein wöchentliches Zeitkontingent empfohlen. Folgende Faustregel wird empfohlen: 10 Minuten pro Lebensjahr am Tag (z.B. 9 Jahre= 90 Minuten).
  6. Und jetzt gilt’s: Die Regeln müssen eingehalten werden! Dabei kann bei jüngeren Kindern eine Eieruhr helfen. Klar muss sein, dass gebrochene Vereinbarungen Konsequenzen haben, d.h. die überschrittene Zeit wird am nächsten Tag von der Medienzeit abgezogen.
  7. Beispiele für Regeln, die für alle Familienmitglieder gelten: Das Smartphone wird weggelegt (bei jüngeren Kindern abgegeben!) während des Schulunterrichts, bei den Hausaufgaben, beim gemeinsamen Essen und während der Schlafenszeit.
  8. Mit generellen Regeln werden immer wiederkehrende Diskussionen überflüssig. Deshalb helfen auch bei PC-Zeiten und Spielkonsolen feste Routinen: z.B. erst nach den Hausaufgaben und nur bis zum Abendessen. Wichtig: Vor der Regel-Einführung gemeinsam in Ruhe darüber sprechen und auch Vorschläge des Kindes aufnehmen!

Regeln geben Orientierung und Halt. Es gibt keine verantwortungsvolle Erziehung ohne Regeln. Sie dienen zur gesunden Entwicklung. Und es ist auch eine Vorbereitung fürs Leben: im Zusammenleben in der Gesellschaft gibt es immer Regeln, damit das Miteinander funktioniert.

Übrigens: Im Oktober 2019 haben Kinderärzte einen Aufruf gestartet mit dem Hinweis, einem Kind ein Smartphone erst ab dem 12. Lebensjahr zu kaufen. Denn die Entwicklung des Gehirns wird erheblich gestört und beeinträchtigt durch die Nutzung des Smartphones. Dies macht sich u.a. bemerkbar durch Konzentrationsprobleme vieler Kinder.

Sind die Eltern stark, werden auch aus den Kindern starke Menschen, die sich nicht von ihren Bedürfnissen treiben lassen, sondern ein Leben führen können mit bewussten Entscheidungen.

Wenn Sie als Eltern Unterstützung brauchen, bin ich gerne für Sie da.