Adelheid Christ
Heilpraktikerin für Psychotherapie
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76829 Landau/Pfalz
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Angst vor dem Alleinsein

Unser Körper vergisst nichts. 

Der Allgemeinmediziner Dr. med. Daniel Dufour aus Genf hat diese Erkenntnis in 27 Jahren Berufserfahrung gewonnen. In seinem Buch “Das verlassene Kind. Frühe Verletzungen erkennen und heilen” untermauert er die Erkenntnisse der modernen Traumaforschung. Er ist der Überzeugung, dass die Ursache verschiedenster körperlicher und seelischer Beschwerden in dem Erlebnis eines sehr frühen Verlassen Werdens liegt. Diese tiefe Verletzung ist einem Menschen meist nicht bewusst. Er kann sich daran nicht erinnern. Und weil die damit verbundenen Gefühle übermächtig waren (Stichwort Trauma), wurden diese verdrängt.

Dies führt dazu, dass der Stresspegel ständig erhöht ist. Das heißt, das Nervensystem befindet sich ständig in einer Anspannung und Übererregung, es findet kaum oder nie in eine Entspannung oder Ruhephase.

Chronische Erkrankungen können die Folge sein: zum Beispiel Krebs, Magen-und Darmentzündungen, Nasennebenhöhlenentzündungen, Herz-Kreislauferkrankungen (Bluthochdruck), Verspannungen in Schultern, Nacken und Kopf  oder immer wieder kehrende Infekte.

Die angestauten Gefühle von damals sind ja nicht weg. Sie suchen über den Körper eine Entlastung. Unser Körper kann auf diese tief sitzende Wunde aufmerksam machen. Wenn wir anfangen, unsere Körpersprache zu verstehen. 

Auch andere Dinge können auf so ein tief sitzendes Schlüsselerlebnis hindeuten: mangelndes Selbstwertgefühl, die Angst vor dem Alleinsein, Bindungsangst, ein Gefühl der Leere in bestimmten Situationen, das Gefühl des Alleinseins in Gegenwart eines anderen Menschen, ein tief sitzendes Misstrauen, extreme Eifersucht, die Angst vor dem Verlassen werden in einer Partnerschaft, die Unfähigkeit zu fühlen, das Gefühl, immer zu kurz zu kommen, zurückgewiesen zu werden oder ausgeschlossen zu sein… .

Letztendlich kann nur der Betroffene nach und nach selbst sagen und fühlen, was in ihm vorgeht. Wie beim Schälen einer Zwiebel, kann man Indizien wahrnehmen, ihnen nachgehen und zu der Ur-Verletzung vordringen. Das ist nicht leicht. Kein Arzt oder Therapeut kann dies für einen tun. Doch dieser Mensch kann einem zur Seite stehen. Ein Therapeut fühlt mit, erkennt die Wunde an, hilft mir, mich zu verstehen, er hält die aufbrechenden Gefühle mit mir aus und lässt einen diesmal eben NICHT alleine. Diese neue Erfahrung lässt die Wunde heilen.

Nach der aktuellen Traumaforschung – denn hier handelt es sich um ein Trauma – liegt ein Regulationsproblem vor. Ein Kind, das in den ersten drei Lebensjahren nicht genug und verlässlich geliebt worden ist, mit dem nicht einfühlsam umgegangen worden ist, das abgewiesen und allein gelassen wurde, hat nicht gelernt, seine Gefühle zu regulieren. Es fehlte die Sicherheit. Es konnte sich nicht entspannen. Deshalb fühlte es eine permanente Übererregung und Panik oder es verfiel in eine innere Starre. Und dies nimmt es mit in sein späteres Leben: Erschöpfung, Wutanfälle, Depression, Schlaflosigkeit, Angst, Panik, Konzentrationsschwierigkeiten, schnelle Überforderung, das Gefühl, neben sich zu stehen oder nicht richtig fühlen zu können… all dies können wir in diesen Zusammenhang einordnen.

Ein (Entwicklungs-) Trauma ist keine Schwäche und kein Makel. Es ist etwas passiert, das nicht hätte passieren dürfen. Dafür ist ein Kind nicht verantwortlich, sondern seine Eltern oder/und schlimme Umstände.

Man kann eine tiefe innere Verletzung nicht löschen. Aber wir können lernen, damit umzugehen. Heute sind wir für uns selbst verantwortlich. Wir können uns für neue, positive Erfahrungen entscheiden. Wir können auch nachträglich lernen, selbst für unsere Regulation zu sorgen. Es ist nicht einfach und braucht Zeit, Kraft und Mut. Oft braucht es einen Therapeuten, der uns anleitet und uns die nötige Sicherheit vermittelt. In all dem liegt das Geheimnis der Veränderung. In diesem Sinne ist Heilung möglich.