Adelheid Christ
Heilpraktikerin für Psychotherapie
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76829 Landau/Pfalz
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Raus aus der Stressfalle

Heute fühlt sich fast jeder gestresst – mehr als noch vor 20 Jahren. Meinungsumfragen und die Wartezimmer der Ärzte sprechen eine deutliche Sprache. Erschöpfungszustände nehmen zu, das Gefühl der Überforderung ist zum Krisensymptom unserer Gesellschaft geworden. Was hat sich verändert? Und: Wie können wir dem Hamsterrad wieder ein Stück weit entkommen?

Meldungen von Katastrophen haben im Vergleich zu früher zugenommen. Tagtäglich lesen wir von Krieg, Gewalt, Unglück, Krankheiten… Die Bilder dazu werden gleich mitgeliefert – und all das nicht mehr dosiert in Tageszeitung und Tagesschau, sondern Nonstop in den digitalen Medien. Besonders Bilder graben sich tief in unser Unterbewusstsein ein. Hinzu kommen unsere eigenen Katastrophen wie Krankheit, Arbeitslosigkeit, die Unfreundlichkeit der Mitmenschen, der Arbeitsdruck, die kaputte Waschmaschine etc.

All dies zusammen genommen hält uns in einem ständigen Katastrophenmodus. Unser Nervensystem ist andauernd angespannt. Diese Überwachheit ist sinnvoll in einer extremen Situation, wenn sich z.B. mein Kind den Arm gebrochen hat. Danach kommt normalerweise eine Phase der Entspannung, wo wir wieder zur Ruhe kommen. Da nun heutzutage 1.eine Schreckensmeldung von einer neuen abgelöst wird und wir 2.immer auf Abruf sind durch die ständige Erreichbarkeit, bleiben wir im Stressmodus und können nicht mehr herunterfahren. Schlaflosigkeit, Überforderung, Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Rückenschmerzen sind nur ein paar der Folgen. Der Verlust der Gesundheit und des seelischen Gleichgewichts, aber auch noch eine andere Folge ist erkennbar: unsere intuitiven Fähigkeiten gehen verloren. Diese innere Sicherheit, das Bauchgefühl, was gut für uns ist und was nicht, ein Wissen, das aus dem Unbewussten kommt – wenn das fehlt, fühlen wir uns orientierungslos und überfordert, wir sind Getriebene. Nicht umsonst gibt es das Modewort Burn-out, “ausgebrannt”.

Was ist die Lösung? Der Psychotherapeut Michael Winterhoff schreibt in seinem Buch “Lasst Kinder wieder Kinder sein”: “Dabei brächten wir alle diese innere Ruhe, weil sie für ein angemessenes Verhalten in menschlichen Beziehungen, gerade auch zu Kindern und Jugendlichen, unerlässlich ist. Wer ruhig ist, sich ganz bei sich selbst fühlt, kann intuitiv richtig handeln, weil er sich vom äußeren Druck viel seltener zu Fehlhandlungen verleiten lässt.” Ruhiges und sinnvolles Handeln – können wir das wieder lernen? Ja. Indem wir uns Zonen schaffen, in denen wir zur Ruhe kommen!

So sinnvoll und nützlich das Smartphone ist, so schädlich kann es unsere Lebensqualität beeinflussen. Niemand hat uns gelehrt, damit angemessen umzugehen. Wenn wir keine Regeln aufstellen für uns selbst und für unsere Kinder, werden wir zu Sklaven und verlieren unsere innere Freiheit. Unser letzter Rückzug in das Private wird uns genommen. Und wenn wir uns doch dazu entschließen, merken wir, dass wir nicht mehr mit uns alleine sein können. In der Ruhe beginnt auf einmal ein “Kopfkino”, wo alles Unverarbeitete hochkommt. Davor fürchten sich viele.

Wie finden wir also zu unserer inneren Mitte? Wir müssen die Ruhe neu lernen und üben, aber es geht. Hier ein paar Ideen:

  • Freie Zeit: die Abwesenheit von Stress. Sie macht manchen Menschen Angst. Sie wird verbunden mit Faulheit. Aber sie ist heilsam: Einfach im Garten sitzen und nichts tun, aus dem Fenster schauen, etwas tun, was Ihnen einfach nur Spaß macht: malen, gärtnern, walken, lesen…
  • Smartphone-freie-Zeit: in der Familie mal für zwei Stunden alle Smartphones weglegen und zusammen etwas machen, generell bei den Mahlzeiten Handys weglegen, Abends ab einer vereinbarten Uhrzeit Handys der Kinder einsammeln, eigenes Handy ausschalten.
  • E-Mails-Zeiten: Abends ab z.B. 19:00 keine E-Mail mehr abrufen. Das verhilft zu einer Feierabend-Atmosphäre und lässt uns besser einschlafen. In einem Buch lesen oder Tagebuch schreiben bringt Ruhe.
  • Autofahrt: statt Radioberieselung und ständig neuer Infos eine CD einlegen. Oder die Stille genießen.
  • Nur eine Sache machen: Multitasking ist schädlich. Es schadet uns selbst und es schadet unseren Beziehungen. Wenn ich mich mit einem Menschen unterhalte, gehört ihm meine volle Aufmerksamkeit. Das ist enorm wichtig im Umgang mit einem Kind/Jugendlichen. Die Zweisamkeit genießen, den anderen wahrnehmen. Ein klar abgegrenztes Gegenüber hilft dem jungen Menschen, sich psychisch gesund zu entwickeln!
  • Tagesstruktur: Ruhezonen einplanen, in denen es wirklich ruhig um mich herum ist. Spaziergang, kurze Mittagsruhe, vor den anderen aufstehen und die Stille genießen… , ein paar Yoga- oder Meditationsübungen.

Wir können zu unserer Intuition, zur inneren Mitte zurückfinden! Beim Aussteigen aus dem Hamsterrad spüren wir anfangs Widerstände, weil das Unterbewusstsein den gewohnten Stressmodus aufrecht erhalten möchte. Gewohnheiten zu verändern, braucht Durchhaltevermögen! In 2-3 Wochen können Sie wahrscheinlich schon ein bisschen die Ruhe-Zeiten geniessen, und irgenwann freuen Sie sich sogar darauf! Beginnen Sie mit etwas, was Sie gerne machen und Ihnen gut tut. Der erste Schritt ist, dass Sie es tun.